Gedanken über meinen aktuellen Zeichenkurs

Hallo liebe Leute,

es war sehr ruhig hier, weil mein Leben jenseits des Webblogs alles andere ruhig war und ist. Ich möchte und muss jetzt aber auch wieder in die Normalität zurückfinden und hoffe, dass Ihr Euren Weg zu mir zurückfindet, auch wenn der Blog im September verwaist war.

Zum Glück habe ich den Kontakt zum Zeichnen nicht ganz verloren und einen Zeichenkurs besucht. Von meinen Eindrücken und Gedanken möchte ich gern erzählen.

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Der Kurs wurde von einem Museum angeboten und genau das hatte mich gereizt, weil ich es liebe in Museen zu zeichnen. Die Sammlungen bieten so viele Motive an, und oft finde ich zeichnend einen Zugang zu Objekten, die mir beim bloßen Ansehen gar nicht so viel sagen. Die Bilder oben zeigen Zeichnungen von Skulpturen, bis auf eine Ausnahme: Der Herr mit dem markanten Schnurrbart stammt von einem Ölgemälde.

Nun aber zum Kurs: Die letzten Workshops, die ich besucht habe, waren sehr unkonventionell und die Teilnehmergruppen bunt gemischt. Bei diesem Kurs bin ich mit Abstand die jüngste Teilnehmerin und die anderen sind ausschließlich ältere Damen. Auch die Herangehensweise im Kurs war sehr konventionell. Bei den Porträts beispielsweise sollten wir zuerst ein schematisches idealtypisches Gesicht zeichnen, damit wir uns bewusst machen wie das Gesicht aufgeteilt ist. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn wir das an einer realistischen, „echten“ Vorlage besprochen hätten,weil schematische „Idealgesichter“ immer leb- und ausdruckslos sind. Außerdem hat es mich etwas schockiert, wie zaghaft die anderen an den Instruktionen klebten und sich kaum trauten einen Strich in Eigenregie zu zeichnen. Das soll nicht arrogant klingen, ich war selber für eine Zeit so ängstlich.es fällt mir nur auf, wie selten einem diese Angst mit konventionellen Methoden genommen wird. Meistens wird sie als normal, wenn nicht sogar als obligatorisch gesehen.
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Wenn wir in der Sammlung waren und konkrete Motive hatten, waren die Ergänzungen und Anregungen auch immer sehr hilfreich. Ich will den Kurs auch gar nicht schlecht machen, sondern zweifele einfach einige feststehende Ansichten über das Zeichnen an. Prinzipiell möchte ich auch immer zu Kursen raten, man lernt immer sehr viel, auch wenn sich die Kurse nicht immer toll anfühlen und man den Effekt erst später merkt. Die Frage ist eben:Muss das so sein? Muss man sich in Zeichenkursen unfähig und zerknirscht fühlen? Ich denke nicht. Übrigens hatte ich auch meinen zaghaften Moment, als ich mich kaum getraut habe einen Strich zu zeichnen, nämlich als wir räumliches Zeichnen geübt haben.

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Wir mussten einen Raum an einem Fluchtpunkt ausrichten und ich habe mein geballtes Trauma aus dem Zeichenunterricht in der Schule wieder erlebt. Die rechte Zeichnung oben habe ich mir wirklich abgerungen und der Stolz, dass sie am Ende „richtig“ ist, war schal. Auch wenn die Zeichnung korrekt ist, ist sie irgendwie seelenlos …

Puh. Sehr langer Artikel. ich freu mich über Kommentare, Anregungen und auch, wenn Ihr einfach vorbeischaut …

 

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6 Kommentare zu „Gedanken über meinen aktuellen Zeichenkurs“

  1. Oh ja, das ist der Grund warum ich mich nicht für so einen Kurs entscheiden kann. Die VHS vor Ort ist sehr konventionell aufgebaut und sollte es mal einen Zeichenkurs geben dann ist das so naja, es lockt nicht. Wobei in einem Museum zeichnen fände ich auch interessant, da wären vielleicht die Kurse bei Martina Wald das richtige.
    Deine Bilder finde ich gelungen, besonders die auf braunen Papier. Es macht fast den Eindruck du hast auf braunen Papier lockerer gezeichnet als auf weißen, ist das möglich?
    Schön das du uns teilhaben lässt an deinem Zeichenkurs.
    Liebe Grüße
    Claudia

    Und danke das du mich auf die fehlerhafte Kommentarfunktion hingewiesen hast.

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    1. Hi Claudia,

      wie schön, dass Du nach so langer Pause wieder hier bist und es freut mich, dass die Zeichnungen Dir gefallen 🙂 Witzig, dass die Bilder auf dem braunen Papier einen ganz anderen Eindruck vermitteln. Ich hatte sehr viel Spaß an dem Papier, vielleicht kommt das doch rüber 😉
      Einen Workshop bei Martina kann ich uneingeschränkt empfehlen, das ist echt was ganz anderes. Wobei der Kurs, den ich da grad besuche, glaube ich, immer noch wesentlich besser ist, als einer bei der VHS. Da schläft man echt echt schon bei der Beschreibung ein … Aber wie gesagt, bestimmte Meinungen über das Zeichnen halten sich gemeinhin sehr hartnäckig …

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  2. Ja, das kenne ich – man meldet sich hochmotiviert zu einem Zeichenkurs an, und … Ich erlebte Ähnliches in einem Aquarellkurs, den ich mit „unfähig und zerknirscht“ verließ. Ich konnte daraufhin jahrelang keine Aquarelle malen! Und das finde ich so schade – solche Kurse sollten die Freude am Zeichnen und Malen vermitteln, und sonst nichts! Denn das alleine ist der Ansporn für Kreativität.
    Deine Zeichnungen sind aber trotz allem sehr toll geworden, es ist dir gelungen, etwas Leben hineinzubringen!
    Liebe Grüße, Rike
    rikelive.blogspot.com
    P.S. Ich stelle gleich meine nächsten ABC-Tiere online.

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    1. Solche Erfahrungen scheinen leider häufig vorzukommen, das ist so schade. Wenn ich mir überlege, um wie viele schöne Zeichenjahre ich mich von der Schule habe bringen lassen … Zum Glück haben wir den Weg zurück zu unseren Zeichen-und Malsachen gefunden und vor allem Deine Kreativitätsquelle sprudelt doch wieder kräftig 🙂 Wahrscheinlich ist es wirklich wichtig, offen über solche Erlebnisse zu sprechen, um sie dann überwinden zu können.

      P. S.: Dann muss ich doch gleich mal bei Deinen Tieren schauen 😀 Ich bin eigentlich schon bei Q, muss aber mein Opossum nochmal überarbeiten …

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  3. Wirklich sehr interessant was du so berichtest. Ich denke auch, dass man auf so einem Kurs einiges lernen könnte. Bei uns sind wie erwähnt Kurse sehr selten, und wenn dann auch oft von 50 + Herrschaften besucht. Das ist ganz und gar nicht abwertend gemeint, aber ich fühle mich dann doch aufgrund meines Alters echt fehl am Platz. Interessant ist die Herangehensweise der Leute die du beschreibst. Als wärs eine Bauanleitung??
    Deine Bilder sind jedenfalls richtig cool geworden! Ich mag den Mann mit dem Schnurrbart und allgemein die Idee auf Kraftpapier zu zeichnen 🙂

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    1. Hi mia, danke, ja, das Kraftpapier macht Laune.Mittlerweile ist der Zeichenkurs auch zu Ende, am Freitag war der letzte termin. Ich einte das mit dem Alter der Kursteilnehmerinnen auch nicht abwertend, aber wie Du schon sagst, man fühlt sich doch etwas außenseitermäßig. Interessanterweise hatte sich die Teilnehmerzahl nach der Hälfte des Kurses auch halbiert … Die letzte Sitzung war nicht schlecht, da haben wir nochmal Porträts gezeichnet 🙂

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