Zeichenworkshops bei Martina Wald – Ein völlig subjektiver Erfahrungsbericht

Dieser Bericht ist genau genommen schon seit zwei Monaten geplant, aber besser später als nie, nicht wahr? Mitte Februar habe ich zum dritten Mal einen Workshop von Martina Wald (https://martinawald.wordpress.com/) besucht und zwar in Köln im Römisch-Germanischen Museum. Die anderen beiden Workshops fanden in Frankfurt im Senckenbergmuseum statt. Jeder dieser eintägigen Workshops hat mich sehr bereichert und deshalb hatte ich mir nach dem dritten vorgenommen darüber zu berichten.

Den ersten Workshop hatte ich in einer Zeit besucht, in der ich gerade anfing dem Zeichnen etwas mehr Raum in meinem Leben zu geben. Ich war noch sehr unsicher und hatte gerade Martinas Blog gefunden und begeistert festgestellt, dass sie auch Workshops in Frankfurt – wo ich zu der Zeit gelebt habe – anbietet. Ihr unkonventioneller Ansatz und ihre tollen Texte hatte mir Mut gemacht. Martina geht es einfach darum den Menschen Freude und Mut zum Zeichnen (zurück) zu geben. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um’s Ausprobieren. Es geht auch nicht um das Erlernen bestimmter Techniken (Schraffur, Schatten), sondern vielmehr um Strategien, seinen eigenen Ausdruck zu entdecken und zu pflegen. Zwei Grundsätze lauten „Eine Zeichnung sieht immer aus wie eine Zeichnung“ und (sinngemäß“„Nicht ärgern, wenn die eigene Zeichnung nicht aussieht wie die einer/m Zeichnerin/Zeichners, den/die Du bewunderst, denn diese Zeichnung gibt es schon, Deine eigene aber noch nicht“.

In ihren Workshops geht Martina weder herum und weist auf vermeintliche Fehler hin noch gibt sie konkrete Anweisungen über die Ausführung. Es werden stattdessen kleine Aufträge erteilt, wie zum Beispiel: Bitte versucht in den nächsten zwanzig Minuten so viele Insekten wie möglich zu zeichnen“ (im Senckenberg). Beim ersten Workshop hat mich diese Freiheit beziehungsweise das ausbleibende Verbessern anfangs noch sehr verunsichert. Wie jetzt, nichts zu verbessern, keine Korrekturen?! Kann doch gar nicht! Ich fühlte mich hilflos und auch etwas allein gelassen. Da merkt man erstmal, wie sehr man auf negative Kritik konditioniert wird. So sehr, dass das eigene Selbstvertrauen verloren gegangen ist. Glücklicherweise gelang es mir nach ersten Schwierigkeiten mich doch noch auf diese Freiheit einzulassen und mir zu vertrauen.

Besonders schön ist es, dass man in den Museen an dreidimensionale Zeichenobjekte herangeführt wird. Bei mir zumindest war es anfangs so, dass ich mich lieber davor gedrückt hatte und stattdessen von Fotos abzeichnete, weil es einfacher erschien. Mittlerweile „halte“ ich den Stift ganz ungeniert auf dreidimensionale, „echte“ Gegenstände und zeichne sehr gerne in Museen, Zoos oder anderswo. Das ist eine meiner Errungenschaften aus Martinas Workshops. Eine andere Methode, die ich sehr schätze ist das „Blindzeichnen“, also zeichnen, ohne auf das Blatt und stattdessen ausschließlich auf das Objekt zu schauen. Ich verwende diese Technik schon seit einiger Zeit, aber in Köln gab es noch eine Steigerung: Wir wurden angewiesen den Stift durch ein Papier zu stecken, so dass wir wirklich nichts auf dem Zeichenblock gesehen haben, auch wenn der Blick doch mal dahin huschte. Am Anfang war es fast beängstigend, bin wohl doch ein Kontrollfreak, aber die Zeichnungen waren bei allen TeilnehmerInnen verblüffend. Seht selbst:

Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei Martina vorrangig darum geht, viel und schnell zu zeichnen und einen damit aus der eigenen Komfortzone zu locken(und dabei gleichzeitig eine neue anzubieten). Ob man nun blind römische Büsten oder im Akkord Schalen oder Steine zeichnet, man lernt sehr viel über sich und seinen Ausdruck.

Ich hoffe, Euch hat dieser kleine Einblick gefallen und freue mich über Feedback. Habt ihr generell Interessen an solchen Erfahrungsberichten?

Liebe Grüße und viel Freude beim Zeichnen, Malen oder sonstiger kreativer Betätigung 🙂